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Agiles Management: Was Agilität mit Krav Maga gemein hat

Agilität steckt im Mittelstand schon in der DNA
Agil managen

Man muss aus Agilität keinen Hype machen. Im Grunde steckt es in der DNA eines jeden Unternehmens.

 von Andreas Karutz


Agiles Management ist nicht so schwer - Nach ein paar Monaten zeigen sich schon Erfolge

Agilität - eine alte Bekannte

Agilität ist nicht neu. Zwar ist der Hype darum noch nicht sehr alt, aber in der Softwareentwicklung und Produktion sind z.B.  Scrum und Kanban eingeführte und gelebte agile Methoden. Nur im Management sickert Agilität noch zögerlich durch. Kein Wunder, denn Agilität ist viel mehr als die isolierte Anwendung von agilen Tools und Techniken. Das sind unterstützende Mittel zum Zweck.

 

Dabei ist Agilität alt, uralt sogar und jedes Unternehmen war mal agil, mindestens als es gegründet wurde. Da wurden Produkte und Dienstleistungen für Kundenbedürfnisse geschaffen und wenn es nötig war, wurde flexibel auf Wünsche reagiert und man passte sich an. Die Organisation der Firma war konsequent auf den Kunden ausgerichtet und wurde agil gemanagt. 

 

Agilität ist die Pioniertugend von Unternehmen, die ihre Gründerzeit überlebt haben und gewachsen sind, sie liegt quasi in der DNA einer jeden Firma. In der Metamorphose zu einer großen und beständigen Firma zog dann die Welt der Prozesse und formalisierten Abläufe, der Regeln und funktionalen Stellenbeschreibungen und viele weitere Managementtechniken in die Unternehmen ein.

 

Auch neue Mitarbeiter. Wo ehedem Pioniere am Produkt und beim Kunden werkelten, arbeiten in den Firmenetagen heute Planer und Strategen an Future Concepts und der Customer Journey. Das ist gar nicht schlecht, solange man seine Grundtugenden nicht völlig vergisst, mit denen man den Markt für die Firma erobert hat. 

Neue Tugenden

Krav Maga („Kontaktkampf“) ist ein Selbstverteidigungssystem und es ist nicht neu. Zwar ist der Name und das darunter weltweit vermarktete Produkt noch nicht alt, aber Krav Maga baut auf Reflexen auf, die jeder Mensch von Geburt an hat und die auch in unseren Genen liegen. Ein uraltes Erbe der Evolution des Menschen, wie Agilität ein Erbe der Evolution von Unternehmen ist.

 

Agilität hat Unternehmen auf der „auf der Straße“ groß gemacht und nicht in Hochglanzbroschüren. Und ähnlich wie Verhaltensökonomen den alten homo oeconomicus ad acta gelegt haben, beginnen viele Unternehmen damit, ihr mechanistisches Funktionieren zu hinterfragen und ihr verschüttetes Erbe wieder auszugraben. Mittelständische Unternehmen haben es darin oftmals leichter als Konzerne.

Handwerk statt Philosophie

Natürlich kann man aus Agilität eine Philosophie machen und so tun, als könnten nur ausgesuchte Großmeister die innewohnenden Wahrheiten lehren. Oder es werden mit dogmatischer Inbrunst Methoden gepredigt, als seien diese direkt aus dem Himmel gereicht worden. Das ist Blödsinn, bestenfalls gutes Marketing und Verkaufe.

 

Jeder, der in der klassischen Leistungswelt lange genug in verantwortlicher Position gearbeitet hat, hat genug Erfahrungen gesammelt, um die Stärken und Schwächen des alten Management-Betriebssystems zu kennen und agile Prinzipien ohne Pathos als leistungssteigernde Elemente für die Firma und die Mitarbeiter anzuerkennen. Der Mehrwert entsteht bei bestmöglich bedienten Kunden.  

 

Krav Maga findet auch auf der Straße statt, nicht im Ring oder auf einer Matte. Es gibt keine Rundenzeit, keinen Gong und keinen Schiedsrichter. Es gibt nicht einmal Regeln, dafür oft mehr als einen Gegner. Durch hartes Training lernt man, die verschütteten Reflexe wieder zu aktivieren und in verschiedensten Kombinationen zu nutzen.

 

Eine Philosophie steckt nicht dahinter, es gibt kein Ying und Yang, kein Ping und Pong und keinen Weg zur Weisheit. Aber es wirkt auf der Straße und es ist für jedermann geeignet, für Groß und Klein, für Jung und Alt und alle anderen auch.

Durchhalten heißt die Devise

Es gibt noch einen zu nennenden Aspekt, der allerdings stets und überall gilt. Es geht um das Durchhalten!

Verhaltensänderungen brauchen ihre Zeit. Ein Unternehmen wird nicht auf Ansage von heute auf morgen agil und genau so wenig wird man durch einmal Zuschauen beim Training ein Meister. Bis sich nach der Einführung agiler Prinzipien und Strukturen das Verhalten ändert, vergehen acht bis zwölf Wochen. Also bis zu rund drei Monate, bis sich nur die Mitarbeiter an die „neue Welt“ gewöhnt haben und beginnen diese zu erobern.

 

Um von der Verhaltensänderung zu messbaren Ergebnissen zu kommen vergeht dann weitere Zeit. In vielen Unternehmen fehlt die Geduld dafür. Es sollte doch bitteschön sofort losgehen. Aber das wird nichts, nicht mit Geld und guten Worten und auch nicht mit Druck. Wenn ein Unternehmen diese Zeit nicht mehr hat, dann ist es eben zu spät.